Herzlich Willkommen
Beratung für
Weiteres
Öffnungszeiten

Montag – Donnerstag
8:30 – 17:30
Freitag
8:30 – 13:00

Helfen, wenn sonst keiner mehr hilft - JUBS Jugendberatungsstelle Neuss
16802
post-template-default,single,single-post,postid-16802,single-format-standard,bridge-core-1.0.5,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,side_area_uncovered_from_content,qode-theme-ver-18.1,qode-theme-bridge,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-6.0.2,vc_responsive

Helfen, wenn sonst keiner mehr hilft

Michael Williams leitet seit Januar die Jugendberatungsstelle. Sein Team begleitet junge Menschen in schwierigen Lagen. Ein Besuch.

Im Februar erreicht ein anonymer Brief das Büro von Michael Williams. Anhand der Geschichte, die dort niedergeschrieben ist, kann der Psychologe den Absender nicht identifizieren. Trotzdem rührt sie ihn. Williams und sein Team von der Jugendberatungsstelle (JUBS) haben das Leben des Unbekannten verändert, vielleicht sogar gerettet. Er oder sie erzählt von einem Elternhaus voller Wut und Gewalt und wie sehr die Gespräche in den Büros der JUBS geholfen haben. Heute ist die Person verheiratet, hat ein Kind und lebt ein glückliches Leben. „Danke“ steht am Ende des Brief.

Oft gibt es diese Rückmeldungen nicht. „Meist wissen wir nicht, wie es den Jugendlichen später ergangen ist“, sagt Williams, 56 Jahre alt und neuer Leiter der JUBS. Im Januar übernahm er die Stelle von Gerhard Thiemann, der nach 35 Jahren Jugendarbeit in den Ruhestand ging. Williams kennt das Büro gut, er ist seit 1997 Psychologe in der JUBS. Die Neusser Einrichtung – Träger ist die Diakonie – berät seit mehr als 40 Jahren Jugendliche und junge Erwachsene. „Nach der Schule gibt es eine große Orientierungsphase, deshalb haben wir uns dazu entschieden, auch junge Erwachsene bis 27 zu betreuen“, sagt Williams. Um rund 400 Fälle kümmert sich die JUBS jedes Jahr. Immer wieder geht es um Beziehungsprobleme innerhalb der Familie, Mobbing, selbstverletzendes Verhalten oder sexualisierte Gewalt. Vier Fachleuten – Sozialpädagogen und Psychologen – beraten die Jugendliche kostenlos und anonym. Teamassistentin Karin Deventer vermittelt sie je nach Problem zum passenden Ansprechpartner.

Williams sitzt in seinem Eckbüro im dritten Stock. Auf dem Tisch am Fenster, dort wo er mit den Jugendlichen über ihre Probleme spricht, liegt ein Haufen Edelsteine in der Mitte. Blaue, Rote, Graue, eine glitzernde Geode. Es kommt vor, erzählt Williams, dass die Jugendlichen ihre Probleme nicht in die richtigen Worte fassen können. Er bittet sie dann, die Beziehung zu Familie und Freunden mit den Edelsteinen darzustellen. „Wenn jemand seinen eigenen Stein weit von den anderen weglegt, oder sich einkesselt, hilft das im Gespräch“, sagt Williams.

Nur vier Jugendberatungsstellen gibt es in NRW, zwei davon auch in Düsseldorf. Williams bedauert das, weil Jugendliche so oft zu Einrichtungen müssen, die eigentlich auf Kinder oder Erwachsene spezialisiert sind. Damit junge Leute möglichst früh wissen, wo sie im Ernstfall Hilfe finden, macht die JUBS Werbung an Schulen und in Konfirmantengruppen. Auch angehende Lehrer informiert die Jugendberatungsstelle in ihrer Ausbildung. Regelmäßig bietet die JUBS auch ein Training an, bei dem Eltern sich untereinander austauschen, wie sie den Kindern besonders in der Pubertät zur Seite stehen können.

In dem Alter treten laut Williams ohnehin die meisten Probleme auf. Jugendliche, die nicht zur Schule wollen, die sich selbst verletzen, den Halt verlieren, einsam sind oder die gesamte Zeit vor dem PC verbringen. Jungen kommen seltener als Mädchen. Und wenn, sind es meist ältere. Viele würden sich nicht eingestehen, dass sie ein Problem haben. „Es kann schon reichen, Eltern und Jugendliche zusammen an einen Tisch zu bekommen“, sagt der JUBS-Leiter. Manchmal reicht das nicht. Dann muss die JUBS die Betroffenen weitervermitteln, etwa zu einem Psychiater, der auch Medikamente verschreiben darf. Was dann an anderen Stellen passiert, bekommt das Team von Williams nur selten mit. Außer es landet wieder ein Brief im Büro der Jugendberatungsstelle. „Aber den gibt es ja nur, wenn die Betroffenen ihre Probleme besiegt haben“, sagt Williams.

(Quelle: NGZ-Online, 6. Juli 2019)